Datensicherheit

Ärzte bemängeln Datenschutz der eGK

Mittwoch, 17. Aug 2011, 15:37 von Sabrina Spangenberg
Der Bremer Hausärzteverband lehnt die Speicherung der Patientendaten auf zentralen Servern ab. Das Verfahren, das im Rahmen der Online-Anbindung der elektronischen Gesundheitskarte für einen zügigen Zugriff auf wesentliche Gesundheitsdaten sorgen soll, biete keinen ausreichenden Datenschutz.
Ärzte und Patientenberatungen üben Kritik an Datenschutz der eGK

Ärzte und Patientenberatungen üben Kritik an Datenschutz der eGK

Kürzlich hat eine deutschlandweit durchgeführte repräsentative Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbandes Bitkom offen gelegt, dass die Mehrheit der Bundesbürger für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist. Nach Angaben der AOK Bremen/Bremerhaven wird diese bei ihrer bundesweiten Einführung ab Oktober 2011 nicht bedeutend mehr leisten können als die noch bis Anfang 2013 gültige Versichertenkarte. Letztere wird bis dahin parallel zur elektronischen Gesundheitskarte im Einsatz sein. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Karten wird zunächst in der Platzierung eines Passbildes auf der eGK bestehen. Dieses soll Kunden davor schützen, dass ihre eGK missbraucht wird. Der Haken: Nachdem die Versicherten ihr Passbild an die Krankenkassen gesendet haben, findet kein Abgleich statt, ob auf auf diesem wahrhaftig der rechtmäßige Inhaber der Karte abgebildet ist. 

Online-Anbindung lässt auf sich warten

Darüber hinaus gibt es auch weiterhin keinen offiziellen Termin für die so elementare Online-Anbindung der Karte. Es könne jedoch noch mindestens zwei Jahre dauern, bis diese realisiert werden könne. Das berichtet der Weser Kurier in Bezug auf Expertenschätzungen. Der Zeitplan für die Einführung der eGK wird daher von verschiedenen Seiten kritisch gesehen.

Ärzte kritisieren Datenschutz

Sobald die Online-Abindung der elektronischen Gesundheitskarte als wichtiges Element der geplanten eGK-Funktionen aktiviert ist, sollen die Daten der Patienten auf zentralen Servern gespeichert werden, damit auf wesentliche Gesundheitsdaten schneller zugegriffen werden kann. Die Idee, den Zugriff auf diese Informationen zu beschleunigen sei zwar gut, den vorgesehenen Umgang mit den Daten lehne man jedoch ab, so Dr. Hans-Michael Mühlenfeld vom Bremer Hausärzteverband. Laut Mühlenfeld sei die Speicherung der Patientendaten auf zentralen Servern in “Zeiten, in denen die Nato und große Unternehmen gehackt werden (...) sehr gefährlich". Des Weiteren kritisiert Mühlenfeld den zeitlichen Aufwand, den der Arzt betreiben muss, um die Angaben auf der eGK mit denen des Ausweises des Patienten abzugleichen. Diese Zeit könnte man eigentlich “besser für die Patienten nutzen”, konstatiert der Mediziner.

Patientenberatungen: Politik will Fakten schaffen

Auch Patientenberatungen beanstanden den Datenschutz der eGK. Deren Einführung solle “auf Druck der Politik durchgezogen werden”, so Wolfgang Linder, früherer stellvertretender Datenschutzbeauftragter in Bremen und nun für den Gesundheitsladen in der Stadt tätig. Es sei “Taktik, dass die Karte jetzt zunächst so ganz harmlos ohne Online-Anbindung daherkommt", so eine Vermutung von Lidner. Hierdurch schaffe die Politik schlicht und einfach Fakten.